Zu Besuch auf dem Naturland-Hof von Leo Tiefel
Naturland Weidebetrieb Tiefel . Kirchfembacher Str.4 . 90579 Langenzenn
Tel. 09101 - 8481 >> zur Karte
Einen ganz besonderen Ökohof findet man in Kirchfembach in der Nähe von Langenzenn: Landwirt Tiefel hat seinen Betrieb schon vor Jahren auf ökologische Weidehaltung umgestellt. Der Naturland-zertifizierte Hof verfügt über ausgedehnte Weideflächen in und um das Fembachtal: So leben z.B. auf 5 Hektar (50.000 Quadratmetern) mit Waldanteil (ca. 20% Laubwald) und Quelle ca. 100 Mufflons und Damhirsche in (fast) völliger Freiheit.
"Nenn' mich einfach Leo" bietet mir der sympathische Landwirt an und fährt uns mit seinem Geländewagen zum Wildgehege. Als "Leo" mit den Futtereimern das Gehege betritt eilen die Mufflons zu den Futterkrippen. Fasziniert können mein Sohn und ich die Wildschafe und die scheuen Damhirsche aus nächster Nähe beobachten.
"Saumäßig glücklich" - ein Schweineleben auf dem Naturland-Hof im Fembachtal!
Das "Highlight" des Hofes und Bauer Tiefels ganzer Stolz aber ist die artgerechte Haltung von Weideschweinen: Jeweils höchstens 8 Tiere "bewohnen" eine Parzelle von 5.000 Quadratmetern am Hang des Fembachtales - im oberen Bereich befindet sich Mischwald, auf dem unteren Kleewiese. Zum Schlafen können sich die Tiere in eine Hütte (die sie auch völlig sauberhalten!) zurückziehen. Um ungebetene Gäste aus dem Wald fernzuhalten ist das Gehege von zwei Zäunen umgeben: Der äußeren Zaun, der das gesamte Gehege (also alle Parzellen) umfasst ist ein stabiler Wildzaun unter dem sich auch kein Besuch hindurchwühlen kann, die einzelnen Parzellen sind zusätzlich von einem ELektrozaun umgeben.
Kaum dass Herr Tiefel in die Nähe seiner Schweine kommt, die übrigens auch im Winter im Gehege bleiben können, kommt die Rotte angetrabt: Sie erhalten nicht nur ihr Futter sondern auch so manche Streicheleinheit. "So lange sie leben sollen sie es gut haben - mindestens so gut wie der Bauer!" lacht Leo und versucht, eine Schweinedame zu Kunststücken zu animieren: "Bei meinem Sohn macht sie das - zirkusreif!"
Am Rand des Geheges wächst ein wahres Blütenmeer auf dem sich seltene Schmetterlinge tummeln. Begeistert entdecke ich sogar die Nickende Distel, Pflanze des Jahres 2008. "Ich achte darauf, dass sich die Wildblumen aussamen können. Auch das Ufer des Fembaches wird nicht ausgemäht, so kann sich am ehemals begradigten Bachlauf wieder eine natürliche Bepflanzung entwickeln."
Auf der anderen Seite des Fembachtales befinden sich die Weiden für die Rinder: Auch die fast schwarzen oder rotbraunen Deutsch Angus Muttertiere mit ihren Kälbern verbringen fast das ganze Jahr auf der Weide im Fembachgrund. Wenn es im Sommer recht heiß ist können die Kühe den Schatten am Waldrand aufsuchen. "Wir haben hier reine Mutterkuhhaltung - die Milch gehört den Kälbern." erklärt der Ökobauer und hilft mir über das Gatter.
Freundlich nähert sich die Herde, eine Kuh mit weisser Blesse zupft vorsichtig an meiner Jacke: "Das ist die Leitkuh, die ist auch eine ganz Brave." werde ich aufgeklärt. Nur eine besonders schöne rotbraune Kuh hat sich quer vor ihr Kalb gestellt "Das Kälbchen ist erst drei Tage alt, wir gehen mal aussen rum". Vorsichtig folge ich Herrn Tiefel - da die Kuh ihm vertraut tue ich das auch und kann so die stolze Mutter mit ihrem Nachwuchs fotografieren. Die sanften Deutsch Angus Kühe haben es mir besonders angetan!
Einige Rinder stehen allerdings auch im Stall, der nach Naturland-Vorlagen umgebaut wurde: Die Tiere schlafen auf einem Strohbett und können sich im teilweise überdachten Stallbereich frei bewegen. Eine Kuh erholt sich dort nach einer schweren Geburt, eine andere muss den Verlust ihres Kälbchens bei der Geburt verwinden: Sie lässt bereitwillig den Nachwuchs der Anderen bei sich trinken, was bei Rindern sehr selten ist.
Zurück auf dem Hof werde ich durch den Verkaufs- und Fleischverarbeitungsraum geführt wo Räucherwürste und Salami verführerisch duftend an der Wand hängen. Der Betrieb verfügt über einen eigenen Kühlraum, in dem Rinderhälften vor der weiteren Verarbeitung "abhängen". "Dieser Bereich wurde genau nach den Auflagen des Veterinäramtes gebaut. Die Schlachtung erfolgt im Schlachthof Burgfarrnbach, alles andere außer der Räucherung machen wir hier im Familienbetrieb", erklärt der Hausherr dessen einer Sohn eigens eine Metzgerlehre absolviert hat. Der Betrieb, der auch seine Futtermittel selbst erzeugt, setzt auf reine Direktvermarktung. Nur Ökogetreide wird an die Biomühle Meyer in Landshut geliefert.
Nach mehreren faszinierenden Stunden fahren wir abends nach Fürth zurück , Würste und Dosen von Leonhard Tiefel im Gepäck. Dieser besondere Nachmittag wird uns sicher lange im Gedächtnis bleiben!
Ulrike Hempe












